Unterwegs mit Ultras (Teil 3)

11. Dezember 2012Felix> Bundesliga

Gewaltbereitschaft und gewalttätige Fans sind derzeit das beständig wiederkehrende Thema in Gesprächen rund um den deutschen Fußball. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Ultra“. Um Vorurteile abzubauen, oder zu bestätigen, haben wir ein Interview mit Birgit B. (Name von der Redaktion geändert) (24) geführt, die einige Jahre die Ultras eines Bundesligisten hautnah miterleben durfte.

 

Teil 1: Gruppenstruktur und Polizei

Teil 2: Ideologie und Gewalt

Teil 3: Der Spieltag

 

Doppelsechs: Frau B. in unserem bisherigen Gespräch ging es viel über die Hintergründe der Ultrakultur. Im letzten Teil wollen wir das in den Mittelpunkt stellen, was die Ultras eigentlich sind: Fußballfans, die ihre Mannschaft begleiten und nach vorne bringen wollen. Wie sieht ein Spieltag klassischer Weise aus?
Birgit B.: Nun, der Spieltag ist quasi der Fixpunkt in der Woche eines Ultras. Auf diesen Tag wird die ganze Woche hin gefiebert, es werden Choreografien vorbereitet oder eventuell neue Lieder vorbereitet. Auch der Tag selbst verleiht den Angehörigen einer Gruppe ein Hochgefühl. Beginnt das Spiel um 15:30 Uhr ist man praktisch den ganzen Tag zusammen.

 

Man trifft sich also relativ früh…
Ja, bei Heimspielen findet man sich um zehn oder elf Uhr an einem ausgemachten Treffpunkt ein. Dort wird getrunken und gegessen, sich unterhalten, dann bewegt man sich gemeinsam als Gruppe zum Stadion, wo man etwa 2 Stunden von Spielbeginn Einlass findet. Zunächst wird damit begonnen Banner, Plakate und Fahnen aufzuhängen.

 

“Es gibt welche, die sich auch morgens schon einige Biere gönnen, aber gleichsam auch Mitglieder, die komplett abstinent leben.”

 

Sie erwähnen, dass vor dem Spiel gegessen und getrunken wird. Welche Rolle spielt Alkohol in der Gruppe?
Keine so große, wie man zunächst annehmen möchte. Ultras auf dem Weg zu einem Spiel sind keine Truppe streitsuchender Trunkenbolde. Es gibt welche, die sich auch morgens schon einige Biere gönnen, aber gleichsam auch Mitglieder, die komplett abstinent leben. Letztlich stehen der Verein und das Spiel so hoch im Kurs, das man nicht zu betrunken sein will, um es noch mitzuerleben. Außerdem fallen vor dem Spiel Auf- und Abbauarbeiten ein. Da kann man es sich auch nicht leisten, volltrunken zu sein. Das Ziel der Ultras ist es nicht, sich voll laufen zu lassen. Wenn getrunken wird, dann eher um die Stimmung zu lockern und zu verbessern, wie auf jeder normalen Party.

 

Wie sehen die Rituale vor dem Spiel aus?
Nun, nach dem Aufbau bleibt man im Block, singt sich warm und freut sich auf das Spiel.

 

Gibt es sonst noch Erwähnenswertes?
Ja, auch wenn dies wieder ein falsches Licht auf die größtenteils friedlichen Ultras wirft. Es geht um das Ritual des „Abziehens“. Vor dem Stadion werden gezielt Ultras der Gegner gesucht und deren Fanartikel geklaut.

 

Ernsthaft? Von willkürlich ausgesuchten Gästefans?
Soweit ich das beurteilen kann: Nein. Ich bin bei so etwas nie dabei gewesen und mir hat dieser Aspekt auch nie gefallen. Aber mir wurde versichert, dass kein Vater, der mit seinem Sohn in Fanklamotten ein Spiel besuchen will, etwas zu befürchten hat. Es geht lediglich um Ultras der eigenen und gegnerischen Mannschaft, die man um Trikots oder Schals erleichtert, die dann als Trophäen einbehalten werden.

 

“Es ist nicht Ziel der Ultras, andere Stadionbesucher einzuschüchtern.”

 

Glauben Sie, dass sich dieses Vorgehen tatsächlich auf Ultras beschränkt?
Davon gehe ich aus. Es ist nicht Ziel der Ultras, andere Stadionbesucher einzuschüchtern. Es geht bei solchen Sachen viel eher um einen Konkurrenzkampf rivalisierender Ultragruppen verschiedener Vereine.

 

Nun gut. Während des Spiels…
Leisten die Ultras ihren wertvollsten Beitrag für den Fußball: Sie singen, feiern und sorgen über 90 Minuten für Stimmung. Ohne die Ultras würde die Stimmung im Stadion sehr leiden. Man stelle sich vor, dass geschwiegen wird und nur bei extremen Situationen mal ein Raunen oder Freudenschreie durchs Stadion hallen.

 

Es gab allerdings Stimmung und Gesänge im Stadion, bevor sich der Ultragedanke in Deutschland durchsetzte.
Nun, diese Zeit habe ich nicht erlebt. Ich kenne nur die Ultras als Quelle guter Stimmung in Fußballstadien.

 

Was gibt es nach dem Spiel zu tun?
Die Ultras bleiben noch lange im Block und warten, bis die Mannschaft vor die Tribüne kommt. Ist der Rasen leer, werden Plakate und alles Weitere, was man vorher anbrachte, wieder abgebaut. Nach dem Spiel gehen einige direkt nach Hause, die meisten fahren zum Treffpunkt zurück und lassen das Spiel noch mal Revue passieren.

 

Was halten Sie persönlich von dem Einsatz von bengalischen Feuern?
Das ist gerade bei der aktuellen, öffentlichen Diskussion eine schwierige Frage. Ich persönlich finde bengalische Feuer optisch wirklich cool, aber den Einsatz in vollgestopften Blocks eher fragwürdig. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass diese Dinger extrem heiß werden

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und gefährlich sind. Auch die Rauchentwicklung ist nicht zu unterschätzen, das sieht man sehr gut, wenn man sich anguckt, wie lange sich der Rauch in so einem Stadion hält, gerade in den modernen mit Dach. Von daher sehe ich den kontrollierten Einsatz zum Beispiel bei einem Marsch, wo jeder genug Platz zum Ausweichen hat, eher unkritisch, aber im Stadion haben bengalische Feuer nichts zu suchen. Hier werden zu schnell zu viele unbeteiligte Fans mit reingezogen und können verletzt werden.

 

Wann brach ihr Kontakt zu den Ultras ab?
Nachdem ich mich von meinem damaligen Freund getrennt habe.

 

Bereuen Sie diese Zeit?
Nein, es war eine durchaus interessante Erfahrung in einer völlig anderen Welt. Aber letztendlich musste ich erkennen, dass mir viele andere Dinge wichtiger sind als Fußball und dieser „Extremismus“ auf Dauer nicht zu meinem Leben passt.

 

 

Das war der letzte Teil unseres Interviews. Wir bedanken uns bei Birgit B. für die freundliche Zusammenarbeit.

 

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