Warum Lumpi nichts sagte und der Wolf nicht der Böse ist…

28. November 2012Felix> Bundesliga

Nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund untersagte Wolf Werner, Manager des Aufsteigers Fortuna Düsseldorf, seinen Spielern Interviews mit dem Pay-TV Sender sky zu führen. Dies geschah aus gutem Grund.

Seinen Ursprung fand die bizarre Aktion, in dem Werner seinen Kapitän Andreas Lambertz mit einem beherzt gebellten „Komm weg da!“ von einem erwartungsfrohen Fieldreporter wegzitierte, am Freitag gegen den HSV. Im Spiel gegen die Hamburger fing Fabian Giefer eine Flanke ab und trat anschließend, nicht ganz völlig unabsichtlich, Rafael van der Vaart in die Wade. Der Kommentator von sky wollte darin eine klare Tätlichkeit gesehen haben – sehr zum Ärger zahlreicher Fortunafans.

Dieser Tropfen brachte das Fass zum überlaufen: Monatelang rumorte es in den Foren angesichts der Darstellungen  des Senders, der die Düsseldorfer als defensiv-destruktive Truppe von Rumpelfußballern darstellte. Der Manager bekam Wind von der wachsenden Unzufriedenheit und beschloss kurzerhand, dass es nach dem Spiel an der Zeit war, ein Zeichen zu setzen.

Nun erntet Werner natürlich medial Unverständnis, weil sich Zeitungen und TV-Sender wie Geier zusammenrotten, wenn einer von ihnen angegriffen wird. Diese Reaktion ist viel unerträglicher als die Debatte darüber, ob Werner die Situation richtig interpretiert und seine Handlungen korrekt waren. Denn der äußerst kompetente Manager mit unverkennbarem Schnauzbart wird bald kübelweise Häme und Spott abbekommen. Weil er sich zum Anwalt der Fans mache und deren Meinung öffentlich vertrat.

Und dabei vergessen viele Kollegen, welche Position sie im Spiel der Fußballbundesliga spielen. Letztlich können wir alle nur dankbar sein, dass dieser große Zirkus Woche für Woche läuft und uns die Gelegenheit gibt, zu lachen, zu jubeln und zu vergessen. Aber die Medien sind eine Zecke auf dem Rücken der Bundesliga. Und nicht umgekehrt. Wenn niemand darüber berichtet, würde immer noch Fußball gespielt werden. Aber diese und viele andere Seiten wären extrem leer, wenn nicht mehr gespielt würde. Und deshalb ist Wolf Werner mit seiner Fortuna in der besseren Situation. Jede negative Berichterstattung von Zeitungen oder sky selbst ist nur eine kindische und wütende Reaktion darauf, dass wieder jemand diesen Zusammenhang erkannt hat. Möge Wolf Werner die nächsten Monate gut überstehen!

3 Kommentare zu “Warum Lumpi nichts sagte und der Wolf nicht der Böse ist…”

  1. Julian Hinz · 4. Dezember 2012 Antworten

    Moin,

    es geht mir weniger um die Reaktion “der Medien” auf die Aktion Wolf Werners und deren Bewertung als einfach um die für mich fragwürdige Darstellung eines Berufsstandes als “Zecke”. Denn das impliziert eine klar einseitige Beziehung. Und das ist einfach nicht richtig. Es würde das eine ohne das andere nicht geben. Ich will hier keine per-se-Absolution für Berichterstatter ausstellen, aber es wird bei Sky sicher keine Anweisung geben: “Macht die Fortuna mal ordentlich runter”. Jeder Reporter verguckt sich mal und wenn es danach geht, dürfte das ZDF nie mehr Interviews bekommen, weil deren Elton John-Double bei seinem fröhlichen Namensbingo auch eine schockierend niedrige Trefferquote hat.
    Mein Argument mit den 14 Spieltagen war im Kontext mit der Ruhe, die noch in Augsburg herrscht, obwohl sie keinesfalls besser beleumundet sind, mMn recht stichhaltig. Letztes Jahr wurde die Fortuna in den Himmel gelobt, dieses Jahr ist es halt anders. Das ändert man aber nicht in dem man so auf Konfrontationskurs geht.
    Was Wolf Werners Verhalten angeht. Auch Meier und Niebaum dachten, dass sie im Sinne der Fans und des Vereins handeln, in dem sie riskante Finanzmodelle um den BVB gebaut haben. Wie sagt man so schön, das Gegenteil von “gut” ist “gut gemeint”.

    Meine Kritik sollte keinesfalls persönlich sein, aber ich finde, dass wer die Medien als Ganzes kritisiert und selbst ein Teil davon ist, etwas mehr differenzieren muss. Sky und Zeitungen in einen Topf zu werfen ist gefährlich. Ein Zeitungsartikel wird nicht in Echtzeit geschrieben und verbreitet. Wenn ein Reporter eine Aktion als “Tätlichkeit” bezeichnet, dann ist es -für mich- etwas anderes, als wenn es am nächsten Tag in allen Zeitungen steht.

    Die Diskussion über die Zusammenhänge und Einflüsse von “gesellschaftlicher Meinung” und Medien ist dann doch leider etwas zu umfassend, da haben wir beide wohl Anderes/Besseres zu tun.
    Ich kann nicht für alle Fußball-Fans sprechen, aber ich lasse mir meine Meinung nicht “bild”en, sondern mache sie mir möglichst selbst. Natürlich lese ich auch gerne andere Meinungen, aber das heißt ja nicht, dass ich diese komplett übernehme. Gerade mit Kommentaren zu Beiträgen und der gesamten Feedback-Kultur/Stammtischen/Leserbriefen/etc. äußern doch mittlerweile viele Menschen ihren Blick auf Themen. Und “die Medien” fragen mit Umfragen (“Sollte Jogi Löw zurücktreten?”) nach eben diesem Blick. Insofern ist das auf keinen Fall eine Einbahnstraße. Das wäre auch erschreckend.

    Es gibt in dem Fall einen großen Verlierer und das ist der Zuschauer. Für F95 und sky dreht sich die Welt ganz normal weiter, mittlerweile ist das Thema keins mehr.
    Für mich gibt es keinen Kreis von Geiern und auch mehr als nur “die Medien”. Das ist mir zu sehr schwarz-weiß-Malerei. Und genau daran fand meine Kritik ihren Ursprung und findet jetzt auch ihr Ende.

    Cheers

  2. Julian Hinz · 29. November 2012 Antworten

    Liebes doppel-sechs-Team, lieber Autor.

    Ich bin leicht verstört über diesen ziemlich undifferenzierten Beitrag. Ich erwarte von euch keine journalistische Sorgfalt, ihr habt selber diesen Anspruch nie -für mich sichtbar- definiert. Aber die Medien als Zecke über einen Kamm zu scheren ist eine sehr gewagte Sache und nicht zu Ende gedacht. Ich verweise euch gern auf den Artikel der 11Freunde, in dem da deutlich besser auf das Problem eingegangen wird. Einseitige Berichterstattung ist das Eine, ein anderes ist die angemessene Reaktion. Durch diese Konfrontation wird es sicherlich nicht besser.
    Düsseldorf sollte mal in den Süden nach Augsburg schauen. Die kennen das sicherlich noch etwas extremer ausgeprägt. Trotzdem gab es keine Schuldzuweisung an die Medien. Denn deren Berichterstattung ist -entgegen eurer Vermutung- auch immer von der gesellschaftlichen Meinung geprägt. Wer im Sommer 2011 Geld auf Augsburgs Klassenerhalt gesetzt hat, verdient Respekt und ist sicherlich in der Minderheit. Düsseldorf konnte nicht erwarten, dass die Lobeshymnen der letzten Saison bis in die neue anhalten würden. Nach 14 Spieltagen schon beleidigt zu sein, zeugt nicht von einer besonders selbstbewussten Einstellung.
    Sich dann auf den erstbesten zu stürzen, der nicht so berichtet, wie man sich das gewünscht hätte, halte ich für einen großen Fehler. Vor allem, wenn man nach einem respektablen Erfolg gegen den amtierenden Meister, die Chance auf eine große Öffentlichkeit und die aktive Richtigstellung gehabt hätte.
    Für mich geht dieser “Boykott” gegen die Fans und deren Recht auf Interviews und Informationen. Ich schreibe ganz bewusst, dass Sky und ihre Zuschauer ein Recht darauf haben. Denn es wird eine Menge Geld bezahlt. Geld, dass Düsseldorf ermöglicht eine Mannschaft aufzubauen, die den Klassenerhalt schaffen kann. Ob mit Rumpelfußball oder sonstwie. Darauf sollte man sich in Düsseldorf konzentrieren.
    Doppel-Sechs sollte sich lieber auf Spielanalysen konzentrieren und nicht Stammtisch-Meinungen vertreten und in die “Kommerz-ist-doof”- Kerbe schlagen. Das ist fern jeglicher Realität. Wenn Sky nicht berichtet, zahlen sie kein Geld und wir hören bald “Jungs, ruhig. Wir müssen Montag doch alle arbeiten”. Denn dann spielen Lumpi, Götze, Gomez und Co. in Spanien, England oder sonstwo. Aber nicht mehr in unserer Nähe.
    Also bitte, weniger Geld in Werbung bei Facebook, mehr Geld für Autoren. Autoren, die nicht nur stumpf den Unmut aus Foren kopieren, sondern wirklich fundiert berichten.

    Beste Grüße.

    • Felix · 29. November 2012 Antworten

      Lieber Julian,
      vielen Dank für Deinen in vieler Hinsicht interessanten Beitrag zu diesem Artikel. Offensichtlich scheint es Dir nicht gefallen zu haben, dass wir die absehbare Reaktion verschiedener Medien auf den Boykott beschrieben haben. Es ist immer erfreulich, eine konträre Meinung zu lesen, schließlich ist der Austausch subjektiver Ansichten der wichtigste Bestandteil unseres Magazins. Dein Hinweis auf die Abhängigkeiten und Geldströme zwischen Medien und Bundesliga ist sicher richtig und deine Kritik am Vorgehen des Managers zweifellos auch. Der Artikel rechtfertigt allerdings nicht die Motive oder das Handeln Werners, er prognostiziert und verurteilt lediglich das, was ich als absehbare Reaktion interpretiere. Wenn journalistische Gründlichkeit in Deinen Augen bedeutet, sich in den beschriebenen Kreis der Geier zu begeben und jegliche Medienkritik polemisch ins Lächerliche zu ziehen, so bleiben wir gerne ein wenig schmutzig. In diesem Artikel treten wir dafür ein, dass ein Mensch, der glaubt, im Sinne eines Vereins und dessen Anhängerschaft gehandelt zu haben, fair behandelt wird. Wenn Du diesen Versuch durch einen mit fragwürdig löchrigen Argumenten („Wer nach 14 Spieltagen schon beleidigt ist,…“) Kommentar diskreditieren möchtest, solltest Du zunächst Hinterfragen, ob wir stumpf aus Foren oder du stumpf aus den Medien kopierst. Darüber hinaus stehe ich für eine Diskussion, ob die „gesellschaftliche Meinung“ die Medien prägt oder dies umgekehrt viel stärker der Fall ist, gerne zur Verfügung.

      LG Felix

Sag' doch auch mal was!

Deine Meinung zählt!

Ist Lionel Messi der beste Fußballer aller Zeiten?


zum Ergebnis

Loading ... Loading ...

Neuer Kram

Jede Mannschaft agiert in jeder Situation mit mindestens sechs Feldspielern hinter dem Ball. Man könnte auch eine Kartoffel beobachten und warten, dass sie sich in einen Drachen verwandelt…

Im Halbfinale der WM schlachtet die deutsche Mannschaft total überforderte Brasilianer erbarmungslos mit 7:1. Dabei gelingen dem Team von Joachim Löw 5 Tore in der ersten halben Stunde des Spiels…

Archivkram

Der FC Bayern tritt in dieser Saison zum dritten Mal in den letzten vier Jahren im Champions League Finale an. Doch wer den Grund dafür nur in der gefürchteten finanziellen Stärke des Rekordmeisters sieht, der irrt sich gewaltig und sollte lieber nochmal genauer hinschauen – denn diese Erfolge sind auch das Produkt hervorragender Jungendarbeit, die auch ohne Guardiola blendend funktioniert…

Das Jahresende naht – Zeit für Geschenke, Rückblicke und Auszeichnungen. Wir haben 12 Preise vorbereitet, die wir dieses Jahr an Vereine und Spieler der Bundesliga verteilen werden. Wir suchen das beste Pärchen und den geilsten Typ in der Disko!

Das Beste aus unseren Live-Blogs

"Shay Given versucht seit 30 Minuten, sich mit einem nassen Handtuch abzutrocknen. Ein aussichtsloser Kampf." > Irland - Kroatien

Fatal error: Allowed memory size of 67108864 bytes exhausted (tried to allocate 72 bytes) in /var/www/web922/html/wordpress/wp-includes/meta.php on line 571