Zwei mal Sechs: Die Aufsteiger der Hinrunde

19. Dezember 2011Dominik> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf.

Heute geht es um die größten Aufsteiger der Hinrude. Welche Spieler haben in den letzen 4 Monaten, seit Beginn der Saison 2011/2012, den besten Eindruck hinterlassen? Wer vollbrachte Dinge, die ihm vorher nicht zugetraut wurden? Welche Trainer entpuppten sich entgegen aller Vermutung als echte Gewinne für ihre Vereine? Wir stellen euch vor, wer uns in der Hinrunde am meisten und positivsten überraschen konnte:

 

Dominiks Liste:

6. Lukas Podolski
Dass der Nationalstürmer klasse Offensivfähigkeiten besitzt, ist allgemein bekannt. Häufig wurde ihm allerdings vorgeworfen, wenig nach hinten zu arbeiten und nicht für die Mannschaft zu laufen. Das hat er in weiten Teilen der Hinrunde geändert, dazu noch sehr gute 14 Saisontore bisher erzielt. Auch dank Podolski steht der Effzeh nach dem Ende der Hinrunde auf einem zufriedenstellenden 10. Platz und nur fünf Punkte Abstand zum internationalen Geschäft – aber auch genauso viele Punkte zum Relegationsplatz.

5. Huub Stevens
Der Holländer war nach seinem Engagement in Salzburg seit April vereinslos. Nach dem plötzlichen Ausfall von Ralf Rangnick wurde er schnell als neuer Trainer präsentiert, der Schalke richtig gut tut. Viele befürchteten eine defensive Spielweise (“Die Null muss stehen”), doch brannten die Schalker teilweise wahre Offensivfeuerwerke ab, zuletzt beim 5:0-Heimsieg gegen Werder Bremen. Natürlich konnte sich Stevens schnell auf Schalke zurecht finden, doch dass er so schnell an die Mannschaft gekommen ist und dadurch Erfolg hat, ist wohl doch etwas überraschend und daher umso positiver.

4. Marco Reus
Der junge Mittelfeldspieler wirbelt diese Saison unverwechselbar bei den Fohlen über den Platz und ist dabei auch noch extrem torgefährlich. Nach der Hinrunde konnte er zehn mal den Ball im gegnerischen Tor versenken, legte dazu noch vier Tore auf. Seine Technik ist so gut, dass er auch problemlos zwei, drei oder vier Gegenspieler mit seinen Dribblings aussteigen lässt, um dann abzuschließen oder den Ball gekonnt zum Mitspieler weiterleitet. Die beiden Spiele, in denen Reus verletzungsbedingt nicht auf dem Platz stand, konnte Gladbach nicht gewinnen. Auch daran sieht man, wie wichtig er für die Mannschaft ist.

3. Robert Lewandowski
Letzte Saison galt der Pole schon als Fehleinkauf und konnte sich gegen seinen Kollegen Lucas Barrios nicht im Geringsten durchsetzen. Diese Saison nun ein umgekehrtes Bild: Barrios kam nach seiner Verletzung nicht richtig in Fahrt und schmort fast nur auf der Bank. Lewandowski dagegen sorgte mit seinen 12 Saisontoren dafür, dass der BVB Bayernverfolger Nummer 1 ist und die Hinrunde auf dem zweiten Tabellenplatz abgeschlossen hat. Vom Fehleinkauf zur Torgarantie – eine gelungene Entwicklung.

2. Bernd Leno
Als Ersatztorwart von Stuttgart, wo er bisher nur in der 3. Liga gespielt hat, wechselte Leno aufgrund der Verletzung von Adler und den schlechten Leistungen von Yelldell und Giefer zu Bayer Leverkusen. Nun steht er mit der Werkself im Achtelfinale der Champions League und darf sein Können gegen den FC Barcelona unter Beweis stellen. Er war von Anfang an voll da und benötigte kaum Eingewöhnungszeit, rettete mit vielen guten Paraden einige Punkte und wurde nun von Leverkusen bis 2016 fest verpflichtet. Letzte Saison noch vor wenigen Hundert Zuschauern in der 3. Liga, nun bald in der Champions League im Camp Nuo vor mehr als 90.000 Zuschauern – was für ein Aufstieg!

1. Lucien Favre
Der Gladbacher Trainer steht hier nicht nur für sich selbst, sondern für die komplette Mannschaft. Denn was der Fast-Absteiger, der sich nur über die Relegation gegen Bochum in der Liga gehalten hat, in der Rückrunde der aktuellen Saison geleistet hat, ist sensationell. Quasi mit dem selben Kader der letzten Saison steht man in der Winterpause auf dem 4. Platz, was vor allem ein Grund von Trainer- und Taktikfuchs Favre ist. Er stellte seine Mannschaft immer richtig auf die Spiele und den Gegner ein, weshalb es neben souveränen, hohen Siegen auch oftmals umkämpfte, “dreckige” 1:0-Siege gab.

 

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Weisheit 19 aus unserem Adventskalender:  “Erfolg ist nicht alles, aber ohne Erfolg ist alles nichts.” (Ottmar Hitzfeld)

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Felix’ Liste

 

6. Bruno Labbadia
Was hat Bruno Labbadia in dieser Liste zu suchen? Man muss schon genauer hinsehen, um die außergewöhnliche Leistung des Stuttgarter Trainers zu erkennen und stellt dann fest, dass es sich gleich um zwei handelt: Zum einen hat es Labbadia das erste Mal geschafft, länger als ein Jahr ein Profiteam zu betreuen. Und dies war schon sein vierter Anlauf. Zum anderen ist Labbadia der erste Stuttgarter Trainer seit Armin Veh im Jahr 2007, der eine komplette Hinrunde überstanden hat. Eine solche Spitzenleistung in Sachen „Konstanz“ rechtfertigt Platz sechs.

5. Teemu Pukki
In der vergangenen Sommerpause spielte ein junger Finne mit einem lustigen Nachnamen bei Alemannia Aachen zur Probe vor. Die verantwortlichen entschieden sich gegen den neuen Spieler und für Benjamin Auer. Derselbe Finne schoss Schalke 04 in diesem Jahr fast aus der Europaleague und ist bereits zu einem Liebling der Schalker Fans geworden. Technische Fertigkeiten gepaart mit großem Einsatzwillen haben Teemu Pukki den Aufstieg von einem durchschnittlichen Torjäger in der finnischen Liga zu einem Talent, auf das halb Europa seine Augen wirft, gebracht. Zweifelsohne ein gelungener Aufstieg.

4. Bernd Leno
Bernd Leno begann diese Saison als Torhüter in Stuttgarts zweiter Mannschaft und hat vier Monate später schon den Titel des teuersten Wintertransfers der Bundesliga so gut wie sicher. Zwischen 5 und 10 Millionen Euro dürfte Bayer Leverkusen für den jungen Torwart überwiesen haben, der durch konstante Leistung den Ausfall von Rene Adler vergessen lies. Es dürfte spannend sein zu beobachten ob Leno seinen Aufschwung bestätigen kann oder sich als überschätztes Talent wie Ömer Toprak als Hindernis in Leverkusens Defensive entpuppt.

3. Thorsten Fink
Zu Beginn dieser Spielzeit war Thorsten Fink ein Trainer, der belächelt wurde. Zwar schnitten seine Mannschaften nicht schlecht ab, aber es waren auch nur der FC Ingolstadt und der FC Basel. Fink galt als Trainer, der gut genug war für die zweite Liga und die Schweiz, aber nicht für die Bundesliga. Und obwohl er mit Basel weiter hätte Champions League spielen können, nahm er das Angebot des Tabellenletzten der Fußballbundesliga an und wurde Trainer beim HSV. Dort schaffte er Dinge, die noch vor 8 Wochen als unmöglich galten mussten: Er führte das Team in sichere Tabellenregionen und stabilisierte die Defensive der Hanseaten. Darüber hinaus motiviert er schwierig geltende Spieler (Jansen, Guerrero) zu Spitzenleistungen und ist als Trainer des HSV noch ungeschlagen. Thorsten Fink hat die Herausforderung angenommen und gemeistert.

2. Marco Reus
Bis zum Ende der letzten Rückrunde war Marco Reus nur ein Talent. Ein Spieler, der ein wenig dribbeln konnte und lustig die Außenlinie entlang rannte, manchmal sogar mit Ball und Raumgewinn. So begann Reus auch diese Saison auf der rechten Seite von Borussia Mönchengladbach. Sein großer Moment kam, als Stürmer Igor de Camargo ausfiel: Reus übernahm den Part als hängende Spitze hinter Mike Hanke. Und plötzlich merkten die Leute, dass Reus nicht nur schnell ist, sondern auch eine prima Schusstechnik hat. Und er war auch kein schmächtiges Kind mehr, sondern ein 1,80 großer Kerl, der sich durchsetzen kann und unheimlich torgefährlich ist. So fand Reus eine neue Position, im Zentrum des Spielfelds. Eine Position, die ihn auf Platz 2 dieser Liste bringt.

1. Lucien Favre
Man möge sich nur vorstellen, wie groß der Hype um den Schweizer Trainer der Gladbacher Borussia wäre, wenn er akzentfrei deutsch sprechen könnte. Oder mehr Charisma hätte als eine graue Kirchenmaus. Aber Favre bleibt dieser mögliche Rummel erspart, was sowohl für sein Team als auch für Ihn selbst ein riesengroßer Vorteil ist. Mit nicht zu leugnendem taktischen Geschick hat Favre aus einer Elf, die unter seinem Vorgänger Michael Frontzeck praktisch abgestiegen war, ein Spitzenteam geformt. Er hat es als erster Trainer seit Jahren verstanden, die üblichen Gladbach Panikkäufe aus der Winterpause in die Mannschaft einzubauen  und das Team mit Nordtveit und Stranzl enorm zu verstärken.  Seine Erkenntnis, dass Mike Hanke trotz fehlender Torerfolge enorm wichtig für die Mannschaft ist, unterstreicht Favres taktisches Feingefühl. Favre  gewann in den letzten acht Monaten mehr Anerkennung hinzu als jede andere Einzelperson in der Bundesliga und deswegen gebührt ihm auch der Spitzenplatz in meiner Liste.

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