Zwei mal Sechs: Die besten Asiaten der Bundesligageschichte

2. November 2011Dominik> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf. Heute suchen wir die besten Asiaten der Bundesligageschichte. In den letzten Jahren kommen immer mehr Spieler aus Nah- und Fernost in die Liga. Dies hat vor allem zwei Gründe: Die überraschende Leistungsstärke des Japaners Shinji Kagawa und die Erschließung von Märkten in China und Japan. Heute wollen wir wissen: Welche der exotischen Einkäufe haben sich gelohnt? Welche Spieler aus Asien konnten der Bundesliga ihren Stempel aufdrücken? Und in welcher Rangfolge ordnen wir ihre Bedeutung für die Liga ein?

 

Felix’ Liste

 

6. Naohiro Takahara (Japan/Hamburger SV, Eintracht Frankfurt)

Naohiro Takahara war in seiner Zeit beim Hamburger SV nicht ganz zu Unrecht als Chancentod verschrien, und ganz zu Unrecht war dies nicht der Fall: Dem Japaner misslangen einige Torabschlüsse in recht ulkiger Manier. Das er aber auch ein echter Goalgetter sein kann, zeigte seine kurze Zeit in Frankfurt: In seiner ersten Saison erzielte der Japaner dort 15 Tore in Meisterschaft und Pokal (13 Bundesligatreffer erzielte er in knapp 100 Spielen für den HSV). Takahara war kein klassischer Strafraumstürmer, sondern technisch begabt und mit dem Blick für den Mitspieler und eine Kämpfernatur, was ihn sowohl in Hamburg als auch in Frankfurt zum Publikumsliebling machte und ihn auf Platz 6 meiner Liste hievt.

 

5. Shinji Okazaki (Japan/VfB Stuttgart)

Noch kein komplettes Jahr hat Shinji Okazaki bisher in der Bundesliga gespielt und trotzdem hat es der Stuttgarter Stürmer in meine Liste geschafft. Die Dribbelstärke und Schusstechnik des kleinen haben es mir angetan und verhalfen ihm bereits zu 5 Toren in 22 Bundesligaspielen. Okazaki hat seine Stärken wenn er von außen in die Mitte ziehen und dort seine Torgefährlichkeit zeigen kann, ähnlich wie Bayernprofi Arjen Robben. Mit seinem Ehrgeiz und seinen technischen Fertigkeiten könnte ihm eine große Karriere bevorstehen.

 

4. Mehdi Mahdavikia (Iran/VfL Bochum, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt)

Mehdi Mahdivikia und sein Nationalmannschaftskollege Vahid Hashemian gingen umgekehrte Wege in der Liga: Der eine wechselte von Hamburg nach Bochum, der andere in die entgegengesetzte Richtung und beiden tat der Wechsel gut. Mahdavikia bearbeitete ein halbes Jahrzehnt je nach Bedarf beide Außenbahnen des Hamburger SV und spielte dort steht auf hohem Niveau: Seine Schnelligkeit, seine gutes Stellungsspiel und seine guten Flanken ließen keinen Trainer an ihm vorbeikommen. Von Verletzungen geplagt nahm seine Karriere in Frankfurt leider kein Ende, dass ihm würdig gewesen wäre: Mehdi Mahdavikia gehörte über Jahr hinweg zu den wenigen Bundesligaprofis, die Konstant ein hohes Niveau halten konnten.

 

3. Ali Daei (Iran/Arminia Bielefeld, Bayern München, Hertha BSC)

Ähnlich wie Lucas Barrios wechselte auch Ali Daei mit dem Titel des Welttorjägers im Gepäck nach Deutschland. 1997 verpflichtet Arminia Bielefeld den Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, der in 25 Einsätzen für die Arminia 7 Tore erzielte. Seine Fähigkeiten als Kopfballstarker, schussgewaltiger Mittelstürmer stellte Daei in der darauffolgenden Spielzeit beim FC Bayern unter Beweis, wo er größtenteils nach Einwechslungen 6 Mal erfolgreich war. Trotz seines stillen Abschieds in Berlin verlieh Daei der Bundesliga etwas mehr Glanz als großer Name. 2006 kehrte Daei noch einmal nach Deutschland zurück: Bei der WM 2006 führte Daei die Mannschaft des Iran, für die er in 149 Spielen 109 Tore erzielen konnte, in 2 Spielen als Kapitän auf den Platz.

 

2. Shinji Kagawa (Japan/Borussia Dortmund)

Irgendwo in der japanischen Zweiten Liga fanden die Scouts von Borussia Dortmund Shinji Kagawa. Nun, knapp vierzehn Monate nach Kagawas Bundesligadebüt werden die Verantwortlichen ihr Glück selbst kaum fassen können: Kagawa gehörte auf Anhieb zu den besten Spielern der Bundesliga. Seine Beweglichkeit, Ballbehandlung und Schusstechnik sind eine Augenweide, dazu kommt die Fähigkeit den tödlichen Pass zu spielen. In seinem ersten Jahr in Europa gewann Kagawa nicht nur die Deutsche Meisterschaft, sondern schaffte auch den Durchbruch in der japanischen Nationalmannschaft, mit der er die Asienmeisterschaft in Qatar gewinnen konnte.

 

1.Cha Bum-Kun (Republik Korea/Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen)

Cha Bum-Kun gehörte zu den besten Stürmern der Bundesliga. Zu einer Zeit, als anerkannte Weltklassespieler wie Rudi Völler oder Karl-Heinz Rummenigge die Strafräume der Liga unsicher machten. Der Südkoreaner, der in 309 Bundesligaspielen 98 Treffer erzielte war einer der unumstrittenen Topstürmer Deutschlands und gewann dazu auch noch wichtige Titel:  Den DFB-Pokal 1981 sowie zweimal den UEFA-Cup. In der Saison 85/86 erzielte er im Dress von Leverkusen 17 Tore, was bis heute den Rekord eines asiatischen Fußballers in der Bundesliga darstellt. Hinzu kommt die Auszeichnung als Asiens Fußballer des Jahrhunderts. Wer außer Cha Bum könnte diese Liste anführen?

 

Dominiks Liste

 

6. Shao Jiayi (China/1860 München, Energie Cottbus)

Ich war schon immer ein kleiner Sympathisant des Chinesen, deswegen darf er in meiner Liste auch nicht fehlen. Wechselte 2002 nach Deutschland zu 1860, nachdem er in den drei Jahren zuvor für Beijing Guoan in 66 Ligaspielen 18 mal getroffen hatte. Diese Quote konnte er beim TSV zwar nicht ganz erreichen (58 Ligaspiele, 8 Tore), konnte sich aber zum Stammspieler entwickeln und musste den Verein nur wegen der schlechten, finanziellen Situation von 1860 verlassen – Energie Cottbus sicherte sich ablösefrei seine Dienste. Hier war Shao lange Zeit unumstritten Stammspieler, kam auf exakt 100 Ligaspiele in denen er 15 Tore schoss und oft mit guten Leistungen überzeugte. Seit diesem Jahr spielt er nun beim MSV Duisburg und konnte in 9 Spielen bisher ein mal treffen.

 

5. Naohiro Takahara (Japan/Hamburger SV, Eintracht Frankfurt)

Viele Leute müssen beim Namen Takahara anfangen zu schmunzeln, hat er doch das Image eines Chancentods weg. Dennoch kann der Japaner auf eine ansehnliche Karriere zurückblicken. In Japan schoss der Stürmer bei seiner ersten Profistation zunächst 32 Tore in 78 Spielen für Junilo Iwata. Nach einer unbefriedigenden Ausleihe zu den Boca Juniors nach Argentinien (6 Spiele, ein Tor), absolvierte er seine beste Saison bei Iwata mit 26 Toren in 27 Spielen, das weckte Begehrlichkeiten im Ausland und Takahara schloss sich 2003 dem HSV an. Trotz einer recht mageren Torquote (13 Tore in 97 Spielen) avancierte er im Norden schnell zum Publikumsliebling. Auch wenn er gerne Großchancen ausließ, so spielte er doch immer mit großem Willen und für die Mannschaft. Eintracht Frankfurt war seine nächste Station, auch hier war Takahara beim Publikum sehr beliebt, schoss in 38 Spielen 12 Tore, wechselte dann aber nach einer enttäuschenden Saison 2008 wieder zurück nach Japan. In seiner achtjährigen Nationalmannschaftskarriere schoss Takahara in 57 Spielen gute 23 Tore.

 

4. Shinji Kagawa (Japan/Borussia Dortmund)

Er ist mit Sicherheit aktuell der beste Asiate in der Bundesliga, in meiner Liste hat es allerdings aus mehreren Gründen nur für den vierten Platz gereicht. Da wäre die fehlende Erfahrung mit seinen 22 Jahren, natürlich hat er 2010/2011 eine grandiose Saison gespielt und war eine Säule in der Dortmunder Meistermannschaft. Doch muss er zeigen, dass er dieses Potential auch über mehrere Spielzeiten abrufen kann. Auch hat Kagawa lange gebraucht, um nach seinem Mittelfußbruch wieder zu guter Form zu finden, die er scheinbar so langsam wieder erreicht. Sollten wir in zwei Jahren noch einmal solch eine Liste anfertigen und Kagawa seine bisherigen Leistungen weiter bestätigen, ist ihm der Platz an der Sonne nicht zu nehmen, dafür sprechen auch die nackten Zahlen: Als Mittelfeldspieler in 125 J-League-Spielen 55 Tore, in 26 Bundesligaspielen 10 Tore und in der Nationalmannschaft in 24 Spielen 7 Tore ist eine sensationelle Quote.

 

3. Ali Daei (Iran/Arminia Bielefeld, Bayern München, Hertha BSC)

Der Iraner spielte eine sehr gute Asienmeisterschaft 1996 und wechselte anschließend zu Arminia Bielefeld. Nach einer guten Saison mit 7 Toren in 25 Spielen wechselte Daei zum Rekordmeister nach München. Mit den Bayern holte er den Ligapokal und die Meisterschaft, wechselte aber nach nur einer Saison zur Hertha. Dort kam Daei auf 59 Ligaspiele, erzielte zwar nur 6 Tore, spielte aber sehr manschaftsdienlich und sorgte für den sportlichen Erfolg der Herthaner. Nach einer schwachen Saison zog es ihn dann allerdings wieder über Umwege in den Iran. Grandios ist Daeis Länderspielstatistik: In 149 Spielen erzielte er zwischen 1993 und 2006 sagenhafte 109 Tore.

 

2. Cha Bum-Kun (Republik Korea/Darmstadt 98, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen)

Cha Bum-kun war zwar noch vor meiner Zeit, allerdings muss der ehemalige Stürmer erstens in dieser Liste erwähnt werden und zweitens einen der vorderen Plätze belegen. Dabei begann seine Karriere in Deutschland mit einem Kuriosum: Nach seinem Wechsel zum SV Darmstadt absolvierte er gerade mal ein Spiel, weil er zurück nach Südkorea musste um seinen Wehrdienst abzuleisten. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland nach Eintracht Frankfurt unter Vertrag, dort war er von Beginn an Stammspieler und seine erfolgreiche Zeit in Deutschland begann. Bum-kun gewann mit Frankfurt in seiner ersten Saison den UEFA-Pokal und im nächsten Jahr den DFB-Pokal, insgesamt kam er auf 46 Tore in 122 Ligaspielen, bevor er zu Bayer Leverkusen wechselte. Auch mit Leverkusen gewann er den UEFA-Pokal und bis 1989 auf 52 Tore in 185 Spielen. Asiens Fußball des 20. Jahrhunderts kommt in der Nationalmannschaft auf 121 Spiele, in denen er 55 Tore erzielte.

 

1. Mehdi Mahdavikia (Iran/VfL Bochum, Hamburger SV, Eintracht Frankfurt)

Mehdi Mahdavikia absolvierte eine für ihn gute Weltmeisterschaft 1998 und wechselte im Anschluss daran nach Deutschland zum VfL Bochum. Nach Bochums Abstieg aus der Bundesliga wechselte er zum HSV, wo Mahdavikia seine erfolgreiche Zeit hatte. Anfangs noch auf der offensiven rechten Seite eingesetzt, begeisterte er das Publikum mit seinen unvergessenen Flügelläufen und Torvorlagen. Zum Ende hin wurde er in Hamburg als rechter Verteidiger eingesetzt und konnte auch da größtenteils überzeugen. Nach acht Jahren in Hamburg wechselte Mahdavikia zur Eintracht, kam dort in drei Jahren aber nur auf 32 Einsätze und spielt seit 2010 wieder in seiner Heimat. In der Nationalmannschaft konnte er in 105 Spielen 13 Tore erzielen. Mein Platz 1, weil Mehdi Mahdavikia lange Zeit das Spiel des HSV prägte und das erfolgreich.

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