Zwei mal Sechs: Die besten Spielmacher der letzten 10 Jahre

20. März 2012Felix> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf. Heute geht es um die besten Spielmacher, die in den vergangenen zehn Jahren in der Bundesliga aktiv waren. In den Spielsystemen der Bundesligisten ist Heute kein Platz mehr für den klassischen Zehner, der sich wenig bewegt und mit genialen Pässen seine Stürmer in Szene setzt. Dennoch haben diese Spieler über Jahrzehnte den Fußball in Deutschland geprägt und waren auch nach 2002 noch für manchen Titelgewinn entscheidend.

 

6. Lincoln (1.FC Kaiserslautern, Schalke 04)
Die Geschichte von Lincoln ist schnell zusammengefasst: In einem seiner ersten Spiele führte der Brasilianer den FCK zu einem spektakulären 3:3 beim Hamburger SV, danach wurde es fast drei Jahre lang still um den Brasilianer. Zur Saison 2004/2005 wechselte er, begleitet von viel Skepsis und Unverständnis, zu Schalke 04. Der Wagemut der Schalker wurde belohnt: Lincoln verhalf Schalke in dieser Saison mit gutem Passspiel und sehenswerten Freistößen zur Vizemeisterschaft. Vor seinem Abgang 2007 wiederholte er dieses Kunststück nochmals (2006/2007).

5. Tomas Rosicky (Borussia Dortmund)
Im Winter 2001 wechselte Rosicky, als Ausnahmetalent bejubelt, für 15 Millionen Euro von Sparta Prag zu Borussia Dortmund. Seine außergewöhnliche Klasse konnte er in der laufenden Rückrunde bereits aufblitzen lassen, bevor er die Dortmunder in seiner ersten kompletten Saison zur deutschen Meisterschaft führte. Seine  genialen Momente erlaubten Teamkollege Marcio Amoroso zudem den Gewinn der Torjägerkanone. Rosickys Schüsse aus der Distanz waren bereits in Dortmund und sind heute beim FC Arsenal eine gefährliche Waffe im Offensivspiel.

4. Johan Micoud (Werder Bremen)
Die Bremer hatten von Beginn des Jahrtausends an bis zum Wechsel von Diego zu Juventus Turin eine Reihe von außergewöhnlichen Spielmachern: Zunächst Andreas Herzog, der ist nicht in meine Liste geschafft hat und dessen Nachfolger Johan Micoud, der die Bremer 2004 zu Meisterschaft und Pokalsieg führte. Micoud war dabei nicht der klassische, dribbelstarke Spielmacher mit feiner Technik, sondern ein körperlich robuster Spieler. Dennoch war seine Ballbehandlung enorm gut und sowohl seine kurzen Pässe als auch seine langen Zuspiele von enormer Präzision.

3. Diego (Werder Bremen, VfL Wolfsburg)
Trotz der Abstinenz von Titeln in seiner Vita: Diego war in seiner Zeit bei Werder Bremen (2006-2009) einer der besten Fußballer der Bundesliga. Schnelligkeit, Dribbelstärke und Torgefahr waren bei ihm größer als bei jedem anderen Akteur, der es bisher in diese Liste geschafft hat. Leider ist ihm dieses Talent scheinbar etwas zu Kopf gestiegen: Wie bei vielen außergewöhnlich guten Brasilianern zeigte auch seine Karriere bereits nach dem 24. Lebensjahr wieder nach unten. Gekrönt wurde dieser Niedergang von seinem unglücklichen Gastspiel in Wolfsburg inklusive seiner Flucht vor dem letzten Saisonspiel.

2. Zvjezdan Misimovic (Bayern München, VfL Bochum, 1.FC Nürnberg, VfL Wolfsburg)
Zvjezdan Misimovic ist nicht so schnell und dribbelstark wie Diego, so Schussgewaltig wie Rosicky oder kann so geniale Pässe spielen wie Johan Micoud. Warum steht er dann auf Platz 2 dieser Liste? Weil kein Titelgewinn mit einem der genannten Spielmacher so eng verknüpft ist wie Wolfsburgs Meisterschaft 2009 mit seinem Spielmacher „Zwetschge“ Misimovic. Als einer der letzten klassischen Spielmacher der Liga bewies der Bosnier eine überragende Form in fast allen Rückrundenspielen seines Teams und erlaubte seinen beiden Stürmern Grafite und Edin Dzeko eine sagenhafte Torquote von 54 Treffern (Platz 1&2 der Torjägerliste).

1. Rafael Van der Vaart (Hamburger SV)
Auf Platz 1 finden wir einen der besten Fussballer, der je über die Spielfelder der Bundesliga getrabt ist: Den Niederländer Rafael van der Vaart. Man mag ihm Phlegma und Lauffaulheit vorwerfen, aber seine technischen Fähigkeiten und seine überragende Schusstechnik sind in den Bereich der Weltklasse einzuordnen. Kein Wunder, dass der Hamburger SV drei Jahre lang von seinem außergewöhnlichen Spielmacher abhängig war, der in seiner ersten Saison (05/06) dafür sorgen konnte, dass die Hanseaten bis zum 32.Spieltag um die Meisterschaft mitspielten.

 

 

6. Arjen Robben & Franck Ribéry (FC Bayern München)
In dieser Liste soll es zwar eher um den klassischen Spielmacher gehen, dennoch dürfen meiner Meinung nach die beiden Flügelflitzer des FC Bayern hier nicht fehlen – erst recht nicht nach den Leistungen in den vergangenen drei Spielen. Für mich ist eine klassische Eigenschaft eines Spielmachers das Verteilen der Bälle zum Mitspieler und somit das Kreieren von Torchancen. Ribéry gab in den letzten drei Spielen neun Torvorlagen, Robben vier – das sollte eigentlich schon als Argument reichen. Darüber hinaus verfügen beide über großartiges technisches Können und eine enorme Torgefahr. Die beiden dienen als Beispiel für den modernen Spielmacher, erwähnen sollte man da der Vollständigkeit noch Spieler wie Marco Reus, Mario Götze oder Mesut Özil.

5. Michael Ballack (1.FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen, FC Bayern München)
Der Capitano wurde zunächst von der Nationalmannschaft, dann gleichermaßen von Leverkusen und den Medien abgesägt – das hat er aus meiner Sicht absolut nicht verdient. Ballack war, vor Özil und Khedira, der letzte deutsche Spieler, der sich im Ausland bei einer Topmannschaft durchsetzen und sich höchsten Respekt verdienen konnte. Und auch in der Nationalmannschaft hatte er konstant gute Leistungen gezeigt, in Erinnerung bleibt wohl immer sein Freistoß bei der EM 2008 gegen Österreich zum 1:0-Siegtreffer. Ballack verfügt wohl über die besten Defensivqualitäten aller Spieler in meiner Liste, er spielte stets mannschaftsdienlich und sorgte immer für Torgefahr, vor allem per Kopf und bei Standards. Ich hoffe für ihn, dass er seine Karriere noch irgendwo positiv beenden kann, leider wird dies wohl nicht mehr in Europa der Fall sein.

4. Lincoln (1.FC Kaiserslautern, FC Schalke 04)
Als er in die Bundesliga kam, konnte der Brasilianer schnell zeigen, was er kann. Beim 1.FC Kaiserslautern spielte er eine gute erste Saison und konnte sich so einen Namen machen. Doch danach folgten zwei schwere Jahre, geprägt von Verletzungen und daraus resultierenden Missverständnissen, auf Grund dessen der Vertrag im März 2004 aufgelöst wurde. Es machte den Anschein, dass das Kapitel Bundesliga beendet war, doch im Juni wechselte er zu Schalke 04, wo er drei Jahre lang das Spiel geprägt hat. Starke Auftritte in der Bundesliga und vor allem in der Champions League ließen auch international andere Vereine aufhorchen. Seine starke Technik und das Erkennen von Spielsituationen, geniale Pässe und starke Freistöße waren das Markenzeichen des Brasilianers. Leider nahm seine Karriere nach seinem Wechsel zu Galatasaray Istanbul einen negativen Verlauf , auch verursacht durch sein exzentrisches Ego.

3. Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München)
Der deutsche Nationalspieler musste in den vergangenen Wochen mit Verletzungen kämpfen und fehlte seiner Mannschaft zum Ende der Hinrunde und dem Beginn der Rückrunde. Und genau da sah man, wie wichtig Schweinsteiger für den FC Bayern ist. Ohne ihn wirkte das Spiel häufig kopf- und einfallslos, berechenbar und wenig überraschend. Seine Präsens sowohl in der Offensive als auch in der Defensive, seine Laufbereitschaft und der Blick für den Mitspieler gehören klar zu seinen Stärken. Ruhig und souverän baut er das Spiel auf und kann den entscheidenden Pass spielen, diese Gelassenheit hat Schweinsteiger auch abseits des Platzes, was ihm im Gegensatz zu den anderen Fußballern in meiner Liste positiv hervorhebt.

2. Johan Micoud (Werder Bremen)
Ähnlich wie Lincoln auf Schalke prägte Jo Micoud über mehrere Jahre das Spiel der Bremer. Unter seiner Führung etablierte sich Werder als Spitzenmannschaft in der Bundesliga und konnte das Double gewinnen und sich dreimal in Folge für die Champions League qualifizieren. Abgeklärt, ruhig, gelassen, introvertiert – so kann man den Franzosen beschreiben. Und das spiegelte sich auch auf dem Platz wieder, unkompliziert, direkt, technisch anspruchsvoll, aber ohne große Schnörkelei zog er sein Spiel auf. Nach seiner erfolgreichen Zeit in der Bundesliga wechselte er zurück nach Bordeaux und ließ seine Karriere dort erfolgreich ausklingen.

1. Diego (Werder Bremen, VfL Wolfsburg)
Der Brasilianer wechselte 2006 an die Weser zu Werder Bremen und sollte dort die erfolgreiche Nummer 2 in meiner Liste – Jo Micoud – ablösen. Das gelang ihm auch vorzüglich, neben 15 Toren bereitete Diego weitere 16 in seiner ersten Saison vor ( in 50 Pflichtspielen). Eine große technische Begabung, immer das Auge für den Mitspieler, gefährlich vor dem Tor und bei Standards – dies alles zeichnet den Brasilianer aus. War er am Ball, so sorgte dies immer für Gefahr. Einzig seine extrovertierte Art und die damit verbundenen Undiszipliniertheiten standen ihm das ein oder andere Mal im Weg und verhinderten womöglich eine große Karriere bei einem Vorzeigeklub. Diego spielt seit der Saison 2010/2011 in Wolfsburg und hatte aufgrund der durchwachsenen Saison dort einen Durchhänger. Daher wurde er zur aktuellen Saison an Atletico Madrid verliehen, wo er langsam wieder an seine glanzvollen Zeiten anknüpfen kann. Hoffen wir, dass er zur kommenden Saison wieder als der alte Diego in die Bundesliga zurückzukommt – ihm und der Bundesliga wäre es zu gönnen.

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