Zwei mal Sechs: Die besten Torhüter der letzten 10 Jahre

11. April 2012Dominik> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf. Heute suchen wir die besten Torhüter, die seit 2002 in der Bundesliga aktiv waren. Starke Reflexe, eine gute Strafraumbeherrschung und bestechendes Timing beim Herauslaufen: So etwas gehört zum Grundhandwerkszeug eines jeden hochklassigen Torwarts. Doch in dieser Liste kommen auch Konstanz, internationale Erfahrung und sportlicher Erfolg zum Tragen. Welche Torhüter gehören zu den 6 besten des letzten Jahrzehnts der Fußballbundesliga?

 

6. Tim Wiese (1.FC Kaiserslautern, Werder Bremen)
Der gebürtige Bergisch Gladbacher begann seine Profikarriere 1999 beim SC Fortuna Köln, dort fiel er Gerald Ehrmann, dem Torwarttrainer des 1.FC Kaiserslautern auf, der sich für einen Wechsel zum Betzenberg stark machte. Ab der Saison 2002 spielte er dann für die Roten Teufel und absolvierte dort aber nur 65 Spiele, da er häufig verletzungebedingt ausfiel, unter anderem aufgrund eines Kreuzbandrisses am Ende der Hinrunde 2004/2005. Zur nächstes Saison wechselte Wiese zu seinem aktuellen Verein Werder Bremen, sein Start dort begann allerdings ebenfalls mit einem Kreuzbandriss, weshalb er sein Debüt erst am 8. Februar 2006 geben konnte. Seitdem war und ist er Stammkeeper im Tor der Bremer, die er zur nächsten Saison allerdings verlassen wird. Seine Präsenz auf und neben dem Platz ist enorm stark, seine Leistungen auf der Linie ebenfalls. Wiese übertreibt aber ab und an ein wenig, so auch bei seinem wohl bekanntesten Patzer am 7. Märt 2006 im Rückspiel gegen Juventus Turin in der Champions League, weshalb Bremen dort ausgeschieden ist. Ich hoffe, Wiese wird einen neuen, guten Verein finden, damit seine Karriere kein plötzliches Ende findet.

5. Roman Weidenfeller (1.FC Kaiserslautern, Borussia Dortmund)
Der aktuelle Turhüter des BVBs belegt den vierten Platz in meiner Liste. Er wechselte 2002 vom 1.FC Kaiserslautern ins Ruhrgebiet und absolvierte seitdem 248 Spiele für den amtierenden deutschen Meister. Zu Beginn konnte er die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen und verlor seinen Stammplatz mehrmals. Seit der Saison 2005/2006 ist er aber im Dortmunder Tor gesetzt und kann durch gute Leistungen überzeugen und seine anfänglichen Schwierigkeiten vergessen lassen. Weidenfeller ist besonders Stark auf der Linie und besitzt äußerst gute Reflexe. Dennoch ist Weidenfeller immer mal wieder für einen Patzer gut, weshalb für ihn nur Platz fünf bleibt.

4. Frank Rost (Werder Bremen, Schalke 04, Hamburger SV)
Ich war schon immer ein großer Fan von Frank Rost, sowohl auf als auch neben dem Platz. Seine erfolgreiche Zeit begann 1992 bei Werder Bremen, wo später Oliver Reck im Tor ersetzte. Seine weiteren Stationen in der Bundesliga waren Schalke 04 und der Hamburger SV. Bei all den Vereinen avancierte Rost durch seine offene und ehrliche Art und seinen stets guten Leistungen zum Publikumsliebling. Rost ließ seine Karriere bei den New York Red Bulls ausklingen und beendete seine Profikarriere im Januar 2012, als man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte. Neben Lehmann (siehe Platz 2) ist Rost der einzige Torhüter, der in der Bundesliga ein Tor (ohne Elfmeter) erzielen konnte. Seine starken Reflexe und die Präsenz auf dem Platz lehrten den Gegner oftmals das Fürchten. Auch die Strafraumbeherrschung lag Frank Rost sehr gut, was ihm in meiner Liste den vierten Platz bescherrt.

3. Manuel Neuer (Schalke 04, Bayern München)
Die aktuelle Nummer 1 im Tor der Bayern und der Nationalmannschaft hat es auf den dritten Platz meiner Liste geschafft und ist damit der für mich beste aktive Bundesligatorhüter. Auf der Linie dank seiner Reflexe eine Macht, dazu strahlt er mittlerweile auch beim Herauslaufen viel Ruhe und Souveränität aus. Sicherte den Münchenern mit seinem gehaltenen Elfmeter gegen Mönchengladbach den Einzug ins Pokalfinale. Hat in seltenen Fällen ab und zu noch einen Aussetzer, doch werden diese immer weniger und Neuer ist nun komplett in München angekommen und wird – wie es zu erwarten war – von den Fans akzeptiert und gefeiert. Mit ihm im Tor hat die U21-Nationalmannschaft 2009 die Europameisterschafft gewonnen, 2010 wurde er mit der A-Nationalmannschaft Dritter bei der Weltmeisterschaft in Südafrika und

2. Jens Lehmann (Borussia Dortmund, VfB Stuttgart)
Gewann 2006 den Kampf im Tor der Nationalmannschaft gegen Oliver Kahn, muss sich in meiner Liste aber mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Lehmann kann aber im Gegensatz zu Kahn eine abwechslungsreiche, aber ebenso erfolgreiche Karriere vorweisen. Konnte sich bei seinen zehn Jahren auf Schalke ins internationale Rampenlicht spielen, bei den Königsblauen absolvierte der gebürtige Essener 274 Spiele und erzielte dabei sogar zwei Tore. Nach seiner Schalker Zeit wechselte er zum AC Mailand und suchte dort eine neue Herausforderung. Es war aber nur ein kurzes Intermezzo bei dem er aufgrund schlechter Leistungen nur fünf Spiele absolvierte – obwohl er zu Beginn Stammtorhüter war. Deshalb wechselte er schon im Winter zurück in die Bundesliga, und das ausgerechnet zu Borussia Dortmund. Seine weiteren Stationen waren der FC Arsenal und der VfB Stuttgart, wo er sich überall großer Wertschätzung erfreuen konnte. In der Nationalmannschaft konnte sich Lehmann 2006 den Stammplatz erkämpfen und nahm erfolgreich an den großen Turnieren 2006 und 2008 teilnehmen. Im Vergleich zur Nummer 1 muss sich Lehmann geschlagen, weil er insgesamt in allen Bereichen nicht an Kahn herankommt.

1. Oliver Kahn (Bayern München)
Meine unumstrittene Nummer 1 in dieser Liste ist der Titan Oliver Kahn. Eigentlich bedarf es der Gründe hierzu keinerlei Erklärungen. Jahrelange Bestleistungen im Tor des Deutschen Rekordmeisters und der Nationalmannschaft haben ihn schon zu seiner aktiven Zeit zu einer Legende gemacht. Seine Statistik sprich ebenfalls Bände: Acht deutsche Meisterschaften (nur Mehmet Scholl hat genauso viele), sechs DFB-Pokale (so viel wie kein anderer Spieler), sechs Ligapokale und dazu einmal Champions League- und Weltpokalsieger. Er bestritt insgesamt 557 Bundesligaspiele, dazu 86 Spiele für die Nationalmannschaft, mit der er 2002 Vize-Weitmeister wurde. Kahn wurde dreimal Welttorhüter, und in den Jahren 1999 bis 2002 viermal UEFA Torhüter des Jahres. Neben seinen starken Reflexen und die Strafraumbeherrschung bringt ihn vor allem seine Autorität, sein Ehrgeiz und sein unbegrenzter Siegeswille den ersten Platz in meiner Liste ein. Danke für Alles, Olli!

 

 

6. Timo Hildebrand (VfB Stuttgart, 1899 Hoffenheim, Schalke 04)
Gerade noch in diese Liste gerutscht ist Timo Hildebrand. Seine Karriere startete beim VfB Stuttgart, in dessen Diensten er 2003 den Bundesligarekord für die meisten Spiele ohne Gegentor in Serie aufstellte. Nach der Meisterschaft 2007 scheint Hildebrand jedoch falsch abgebogen zu sein: Seine Karriere brachte ihm schwache Auslandsaufenthalte in Spanien und Portugal, unterbrochen von einem wenig glanzvollen Intermezzo bei 1899 Hoffenheim. Seit Herbst letzten Jahres ist Hildebrand bei Schalke o4 unter Vertrag, wo er zunächst nur dritter Torhüter war. Seine starken Reflexe und seine Sprungkraft sind seine größten Trümpfe.

5. Tim Wiese (1.FC Kaiserslautern, Werder Bremen)
“Ein in Fitnessstudios grotesk aufgeblasener und solariumverbrannter Vollprolet, der hin und wieder gut hält und sich ansonsten darauf konzentriert, seinen Gegenspielern die Knochen zu polieren.” Dieses wenig charmante Urteil fällt einst die FAZ über den Torhüter des 1.FC Kaiserslautern. Seitdem kamen einige weitere bizarre Aktionen in Wieses Vita: Die „Rolle von Turin“, als Wiese mit einem katastrophalen Fehler seinem Verein den Einzug ins Viertelfinale der Champions League kostete, oder der berühmte Mordversuch gegen Hamburgs Stürmer Ivica Olic. Dies alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wiese sich in den letzten Jahren zu einer Konstante im Werdertor entwickelte und auch in der Nationalelf seinen Platz gefunden hat.

4. Jens Lehmann (Borussia Dortmund, VfB Stuttgart)
Jens Lehmann, einer der mitwirkenden beim Sommermärchen 2oo6, schafft es nur auf den vierten Platz in dieser Liste. Warum? Weil Lehmann in den vergangenen zehn Jahren vor allem im Ausland oder bei großen Turnieren durch gute Leistungen bestach. 2002 holte er mit Dortmund die Meisterschaft, wurde jedoch im Winter des Jahres rasch nach London verkauft, um die klaffenden Finanzlöcher der Borussia zu stopfen.  Dort feierte er 2004 seinen größten Triumph, als Arsenal ohne eine einzige Niederlage die Premierleague gewann. Nach seiner Rückkehr kamen noch zwei Jahre beim VfB Stuttgart, wo Lehmann jedoch häufiger alt als gut wirkte. Seine größte Stärke, die Strafraumbeherrschung, machte ihn stets zu einer Ausnahme in der Liga. Seine andere Stärke, die Nervenstärke im Elfmeterschießen, kam in der Liga jedoch weniger zu Tragen.

3. Frank Rost (Werder Bremen, Schalke 04, Hamburger SV)
Nur ein Pokalsieg und 4 Länderspiele stehen in der Vita von Frank Rost. Dennoch gehört er in die Liste der besten Bundesligatorhüter der letzten 10 Jahre und darüber hinaus auf einen Platz weit vorne. Frank Rost überzeugte bei jedem seiner Vereine als Torhüter (in Bremen sogar als Stürmer) und war stets ein Vertreter seiner Zunft, der für seine Mannschaften stets Spiele gewinnen konnte, aber niemals Niederlagen verschuldete. Dadurch führte er Bremen in den Europapokal, Schalke zu einer Vizemeisterschaft und ins Pokalfinale und den Hamburger SV wiederholt ins Halbfinale der Europa League. Reaktionsstärke und kompromissloses Herauslaufen waren dabei die größten Stärken des Keepers.

2. Manuel Neuer (Schalke 04, Bayern München)
Seit der WM 2010 ist Manuel Torhüter der deutschen Nationalelf und gilt teilweise sogar als bester Torwart der Welt. Seinen ersten Titel sammelte Neuer im vergangenen Jahr, als er mit Schalke den DFB-Pokal gewann. Auch in dieser Saison ist sein Verein noch in drei Wettbewerben vertreten, es ist also nicht unwahrscheinlich, dass bald ein weiterer Erfolg hinzukommt. Neuer ist stark auf der Linie, im Duell 1 gegen 1 fast unbezwingbar und kann durch lange Bälle und unglaublich kraftvolle Abwürfe Angriffe seiner Mannschaft einleiten.

1. Oliver Kahn (Bayern München)
Von einem Spieler, der als bester Torwart der Welt gilt, kommen wir nun zu einem Torwart, der ohne Zweifel bester Torwart der Welt war. Oliver Kahn hatte alles, was einen starken Torwart auszeichnet: Hervorragende Sprungkraft, gute Strafraumbeherrschung, überragende Reflexe. Was Kahn jedoch berühmt machte, war sein unbändiger Ehrgeiz, der ihn zu manch wilder Aktion auf dem Platz verleiten konnte; ihn aber auch zu unzähligen Titeln trieb, darunter die deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal, die Champions League und den UEFA-Pokal. Oliver Kahn prägte eine Ära beim FC Bayern, die 2008 mit seinem Rückzug vom Profifußball ihr Ende fand.

6 Kommentare zu “Zwei mal Sechs: Die besten Torhüter der letzten 10 Jahre”

  1. Yoshi · 20. April 2012 Antworten

    Also ich denke, ein Manuel Neuer gehört – spätestens seit der WM 2010 – unbedingt in diese Liste! Und ich glaube kaum, dass er innerhalb der nächsten 5 Jahre auf einem niedrigenen Leistungs-Level zocken wird…

    Was mir allerdings ein Rätsel ist: Was hat Roman Weidenfeller in dieser Liste verloren? Der Typ lebt von einer starken Abwehrreihe

  2. ThorstenWausVbzwE · 12. April 2012 Antworten

    Also wirklich……

    Wie kann es eine andere Nummer 1 als Oliver Kahn geben??

    Das sage ich in höchster Anerkennung als absoluter Borussia Dortmund Fan.
    Meine Liste sieht so aus:

    6. Frank Rost
    5. Jens Lehmann
    4. Hans-Jörg Butt
    3. Roman Weidenfeller
    2. Tim Wiese
    1. Absolut unangefochten OLIVER KAHN!

    Es verbietet sich hier Namen wie Neuer, ter Stegen (kam noch nicht) Zieler oder gar Bernd Leno aufzuzählen. Das sind alles super Talente und wenn wir in 5 Jahren nochmal so ne Liste aufstellen werden diese Namen auch darin auftauchen, aber bis dahin bitte nicht!

  3. Peter · 11. April 2012 Antworten

    6. weidenfeller
    5. Hildebrand
    4. Butt
    3. Kahn
    2. Lehmann
    1. Neuer

  4. felix · 11. April 2012 Antworten

    6.Butt
    5.Hildebrand
    4.Weidenfeller
    3.Lehmann
    2.Neuer
    1.Kahn

  5. uwe40 · 11. April 2012 Antworten

    Da fehlt Hansjög Butt!

    Also:

    6.Hildebrand
    5.Rost
    4.Butt
    3.Lehmann
    2.Neuer
    1.Kahn

  6. Rolf · 11. April 2012 Antworten

    6. Jens Lehmann
    5.Timo Hildebrand
    4. Frank Rost
    3. Tim Wiese
    2. Manuel Neuer
    1.Oliver Kahn

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