Zwei mal Sechs: Die besten Wintertransfers der Bundesliga

16. Januar 2013Felix> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

Seit mehreren Jahren wird immer wieder betont, dass es wenig Sinn macht, Spieler im Winter zu verpflichten. Die Möglichkeiten sind begrenzt, die angebotenen Spieler sind zu schlecht, zu teuer, oder, wenn beides zutrifft, bereits von Felix Magath verpflichtet worden. Dennoch gibt es immer wieder echte Juwelen unter den Wintertransfers. Wir haben die Besten der letzten 20 Jahre gesucht und gefunden.

 

 

6. Jonathan Akpoborie (95/96 zu Hansa Rostock)
Ich kann nicht anders: In diese Liste MUSS ein Transfer aus den Neunzigern. Der glückliche Gewinner ist Jonathan Akpoborie, der im Winter 1996 zu Hansa Rostock wechselte. Die Ostseestädter standen nach einer überraschend guten Hinrunde als Aufsteiger in Reichweite der UEFA-Cup Plätze. Dennoch hatte keiner der Stürmer im Kader (Baumgart, Milde, Chalaskiewicz) überzeugen können. Hansa verpflichtete daraufhin Joanthan Akpoborie vom Zweitligisten Waldhof Mannheim. Der Nigerianer erzielte in der Rückrunde 6 Treffer für Rostock, darunter die Siegtreffer bei den Auswärtsspielen in Dortmund und München (letzterer kostete Bayerntrainer Otto Rehhagel den Job). Akpoborie zählte in den kommenden 6 Jahren zu den besten Stürmern der Bundesliga, ehe er seine Karriere beenden musste, weil er im Verdacht stand, sich am Menschenhandel in Afrika bereichert zu haben.

5. Fernando Meira (01/02 zum VfB Stuttgart)
Was die Nachhaltigkeit von Wintertransfers angeht, kann es kaum ein Spieler mit Fernando Meira aufnehmen. Der Portugiese wechselte 2002 für 7,5 Millionen Euro von Benfica Lissabon zum VfB Stuttgart und war bis zu seinem Abgang 2008 eine feste Säule in der Stuttgarter Innenverteidigung. Egal ob Magath, Trapattoni oder Veh: Alle VfB-Trainer setzten auf Meira, der für sein gutes Stellungsspiel bekannt und seine harte Zweikampfführung gefürchtet war. Als Höhepunkt von Meiras Gastspiel beim VfB muss sicherlich das Jahr 2007 gelten, in der Meira als Kapitän die Meisterschale in den Himmel strecken durfte und eine Woche später erst in der Verlängerung des Pokalfinales am Double scheiterte.

4. Frank Rost und Ivica Olic (06/07 zum Hamburger SV)
Im Winter des Jahres 2007 sah es düster aus beim Hamburger SV. Nach der überraschenden Qualifikation für die Champions League im Vorjahr standen die Hamburger plötzlich mitten im Abstiegskampf. Die Probleme waren vielfältig: Die Torhüter Kirschstein und Wächter, im Vorjahr noch gut durchschnittlich, litten unter großen Formschwankungen. Die Stürmer Lauth, Ljuboja, Sanogo, Guerrero und Berisha erwiesen sich als unfähig oder demotiviert. Der HSV reagierte und verpflichtete mit Frank Rost und Ivica Olic  zwei Spieler für die Schwachstellen, die einen enormen Beitrag zum Klassenerhalt leisteten und prägende Gestalten der besten Zeit in der jüngeren Vereinsgeschichte wurden. Auch dank Olic und Rost erreichte der HSV zwei Mal das Halbfinale der Europa League.

3. Mohamed Zidan (06/07 und 11/12 zu Mainz 05)
Ein Wechsel des Ägypters zu Mainz 05 gehörte in den vergangen Jahren zur kalten Jahreszeit wie Last Christmas von Wham. 2005 lieh Mainz Zidan noch vor der Winterpause von Werder Bremen aus, 2007 und 2012 wechselte der Stürmer komplett an den Main. Bei beiden Wintertransfers sorgte Zidan für Furore:  In der Saison 06/07 erzielte der quirlige Stürmer unglaubliche 13 Tore in 15 Spielen. Trotzdem stiegen die 05er mit Trainer Jürgen Klopp ab und Zidan zog es zum HSV. Im vergangenen Jahr heuerte Zidan ein drittes Mal bei den Mainzern an und sorgte wieder für ein Highlight: Mit 6 Toren in seinen ersten 6 Spielen für seinen neuen Verein brach Zidan einen 18 Jahre alten Bundesligarekord von Fredi Bobic. Um den Verein erneut im folgenden Sommer zu verlassen.

2. Sebastian Kehl (01/02 zu Borussia Dortmund)
Viele der verpflichteten Spieler kamen in Zeiten großer Not zu ihren Vereinen und waren ihnen nur bei raschem Erfolg treu. Die Nummer zwei in dieser Liste machte es genau umgekehrt: Er kam in der Mitte zur Meistersaison 2001/2002 aus Freiburg und hielt dem BVB auch in schwierigen Zeiten die Treue. Sebastian Kehl, mittlerweile Kapitän der Borussia, an drei Meisterschaften und einem Pokalsieg beteiligt, kam als günstigster Spieler einer Reihe von Luxuseinkäufen für mehr als 50 Millionen Euro zum BVB. Er sollte doch die lohnendste Investition der Harakiritransfers von Michael Meier und Gerd Niebaum sein. Mittlerweile sollte es keinen Zweifel mehr daran geben, dass Kehl, der nach Angaben von Uli Hoeneß bereits beim FC Bayern im Wort stand und einen mündlichen Vorvertrag gebrochen haben soll, seine Karriere beim BVB beenden wird.

1. Lucio(00/01 zu Bayer Leverkusen)
Bayer Leverkusen hatte es im Winter des Jahres 2000 nicht einfach: Trainer Christoph Daum war zurückgetreten, nachdem Uli Hoeneß ihn berechtigterweise des Drogenkonsums bezichtigt hatte. Anschließend besetzten erst Rudi Völler (Oh Gott!) und Berti Vogts (Oh Gott, oh gott!) die Trainerbank der Werkself. Dazwischen gab es einen kleinen Lichtblick, in Form eines jungen brasilianischen Verteidigers mit buschigen Augenbrauen. Was folgte, war dessen kometenhafter Aufstieg. In der Rückrunde seiner Premierensaison nagelte Lucio 5 Mal den Ball ins gegnerische Tor, darunter ein Doppelpack im Derby gegen Köln. Darauf folgten ein Weltmeistertitel, mehrere deutsche Meiserschaften und Pokalsiege und als krönender Abschluss der Gewinn der Champions League 2010 mit Inter Mailand. Sowohl kurzfristig, als auch von der Karriere des Spielers betrachtet, war die Verpflichtung von Lucio durch Bayer Leverkusen der beste Wintertransfer der Bundesliga.

 

 

 

6. Mesut Özil (07/08 zu Werder Bremen)
Das junge Talent kam auf Schalke nicht wirklich zum Zug, es knisterte zwischen Özil und den Verantwortlichen. Deswegen war man froh, dass man in Werder Bremen einen Abnehmer für den Mittelfeldspieler gefunden hatte und ihn so noch im Winter 2007/2008 für 5 Millionen Euro abgeben konnte – ein großer Fehler. In der Rückrunde konnte Özil in Bremen zwar noch nicht 100%ig überzeugen, doch den restlichen Werdegang kennt man. In den folgenden Saisons konnte Özil zum Stamm- und Führungsspieler reifen, dem Bremer Spiel seinen Stempel aufdrücken. Und zur Saison 2010/2011 griff Real Madrid für 18 Millionen Euro zu, wo sich Özil sofort durchsetzen konnte und zur Stammelf gehörte.

5. Marcelinho (06/07 zum VfL Wolfsburg)
Im Winter 2006/2007 wechselte Marcelinho zum zweiten Mal in die Bundesliga. Bereits ein paar Jahre früher nahm Hertha BSC Berlin viel Geld in die Hand, um sich die Dienste des Brasilianers zu sichern und wurde nicht enttäuscht. Marcelinho prägte mehrere Jahre das Berliner Spiel, bis er im Juli 2006 in die Türkei zu Trabzonspor wechselte. Doch nach nur einem halben Jahr kehrte er zurück, diesmal allerdings nach Wolfsburg. Trainer Augenthaler hoffte, dass der zu dem Zeitpunkt 31-jährige das Spiel der Mannschaft sortieren und mit seiner Erfahrung der Mannschaft im Abstiegskampf weiterhelfen konnte. Wolfsburg hielt die Klass auf Platz 15, doch das lag vor allem an Marcelinho: Er konnte sofort überzeugen, mehrere Tore erzielen und Torvorlagen geben. Auch in der nächsten Saison war er der Spielgestalter der Wolfsburger und konnte die Mannschaft zum Erfolg führen (Platz 5 und die Qualifikation für die Europa League).

4. Dante (08/09 zu Borussia Mönchengladbach)
In Gegensatz zu den bisherigen Spielern in dieser Liste können wir Dante aktuell noch in der Bundesliga bestaunen. Bevor er aber zu seinem aktuellen Verein Bayern München wechselte, schnürte Dante seine Schuhe bei den Gladbachern. Dorthin wechselte er im Winter 2008/2009 von Standard Lüttich, um die Defensive der abstiegsbedrohten Fohlen zu stabilisieren. Nach seinem Debüt am 25. Spieltag stand er immer in der Startelf und konnte als Verteidiger sogar auf Anhieb drei Tore erzielen und mithelfen, den Abstieg zu verhindern. Von da an war Dante unangefochtener Stammspieler und wagte zur aktuellen Saison den nächsten Schritt in seiner Karriere – und das erfolgreich, denn auch bei den Bayern gehört Dante zur Stammelf.

3. Papiss Demba Cisse (09/10 zum SC Freiburg)
In der Winterpause wechselte der für die meisten Fans völlig unbekannte Papiss Demba Cisse für eine Million Euro zum SC Freiburg, der schon häufig mit wechselndem Erfolg afrikanische Spieler verpflichtet hatte. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern schaffte es Cisse aber, voll beim SC Freiburg einzuschlagen und die Breisgauer vor dem Abstieg in der Saison 2009/2010 zu bewahren. In der folgenden Saison schaffte er es, mit 22 Toren in 32 Spielen, das Interesse  großer Vereine zu wecken, dennoch blieb er den Freiburgern noch ein halbes Jahr treu. Nach zwei Jahren (65 Spiele, 37 Tore) wechselte Cisse dann für 12 Millionen Euro in die Premier League zu Newcastle United, wo er sofort an seine Leistungen anknüpfen konnte und statistisch gesehen in jedem zweiten Spiel trifft (34 Spiele, 17 Tore). So war es auch aus wirtschaftlicher Sicht ein Supertransfer für die chronisch klammen Freiburger.

2. Lucio (00/01 zu Bayer Leverkusen)
Am 01.01.2001 wechselte ein junger, brasilianischer Verteidiger für 8,5 Millionen Euro von Porto Alegre zu Bayer Leverkusen – und es war der Beginn einer großen Karriere. Lucio prägte das Defensivspiel der Leverkusener lange Zeit, stand hinten fast immer sicher, auch wenn er ab und zu auch mal für einen Bock gut war. Man erinnert sich gerne an seine zahlreichen Vorstöße über die Mittellinie hinaus, die viele seiner Trainer an den Rande eines Herzinfarkts brachten – aber häufig von Erfolg gekrönt waren. So war es nicht verwunderlich, dass die Bayern an einer Verpflichtung interessiert waren und zur Saison 2004/2005 unter Vertrag nahmen. Auch dort war er ein Fels in der Abwehr. Nach Wechseln zu Inter Mailand und einem kurzen Intermezzo bei Juventus lässt Lucio seine erfolgreiche Karriere nun in der Heimat bei Sao Paulo ausklingen.

1. Sebastian Kehl (01/02 zu Borussia Dortmund)
Was viele gar nicht wissen oder vergessen haben: Sebastian Kehl ist kein Ur-Dortmunder, sondern wechselte in der Winterpause der Saison 2001/2002 für 3,2 Millionen Euro vom SC Freiburg zum BVB. Dort war Kehl sofort Stammspieler und räumte im defensiven Mittelfeld ab, was sich ihm in den Weg stellte. Darüber hinaus ordnet und sortiert er das Spiel und – noch wichtiger – identifiziert sich vollends mit dem Verein. So kam es nicht überraschend, dass Kehl 2008 Kapitän wurde und dieses Amt noch immer inne hält. Seine beste Zeit hat er sicherlich schon hinter sich, was man auch an den Einsatzzeiten sieht. Dennoch ist Kehl immer da, wenn er gebraucht wird und beschwert sich nicht (öffentlich), wenn er auf die Bank muss. Er hat es vor auf den ersten Platz geschafft, weil er lange Zeit Stammspieler war und der Mannschaft nicht nur weiterhelfen konnte, sondern auch das Spiel geprägt hat und zu einer Identifikationsfigur des Vereins geworden ist.

 

 

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