Zwei mal Sechs: Die ewigsten Talente der Bundesliga (Teil 2)

14. Februar 2012Felix> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf. Lars Ricken, Ibrahim Tanko oder Sebastian Deisler: Sie alle sind Musterbeispiele für die Rolle des “ewigen Talents”. Spieler, die bereits in jungen Jahren durch ihre Begabung auffielen und denen eine große Zukunft prophezeit wurde, es dann aber doch nicht schafften, eine überdurchschnittliche Karriere zu starten. Wir suchen in der heutigen Ausgabe von Zwei Mal Sechs die ewigsten Talente, die zur Zeit in der Bundesliga unter Vertrag stehen. Im zweiten Teil stellt Dominik seine Liste vor.


6. Andreas Ottl (26 Jahre/ Hertha BSC)
Der gebürtige Münchener kam von den Jugendmannschaften über die zweite Mannschaft zu den Profis von Bayern München und absolvierte dort 2005 seine ersten Profispiele. In den folgenden Jahren kam er zu immer häufigeren Einsatzzeiten, ohne allerdings jemals wirklich Stammspieler gewesen zu sein, da ihm immer wieder neue Spieler vor die Nase gesetzt wurden. Da Ottl aber immer ein ruhiger Charakter ist und stets zur Stelle war, wenn man ihn brauchte, gab man ihm 2009 die Chance, mehr Spielpraxis zu bekommen und verlieh in zum 1.FC Nürnberg. Dort war er sofort Stammspieler und verhalf dem Club in den Relegationsspielen gegen den FC Augsburg zum Klassenerhalt. Anschließend kehrte er wieder zu den Bayern zurück, kam in die nächsten Saison wieder zu einigen Einsätzen ohne zum Stammpersonal zu gehören und verließ zur aktuellen Saison den Verein in Richtung Hauptstadt. Auch hier ist Ottl von Anfang an Stammspieler und zeigt gute Leistungen. An diesem Werdegang sieht man: Von Ottl erhoffte man sich immer sehr gute Leistungen, doch reichte es dafür bei einer Spitzenmannschaft nur zu geringen Einsatzzeiten, bei mittelmäßigen Mannschaften allerdings für die Stammelf.

5. Lukas Podolski (26 Jahre/ 1.FC Köln)
Ich habe mich schwer getan, Podolski hier in diese Liste mit aufzunehmen. Doch schlussendlich ist er in meinen Augen – die Nationalmannschaft mal außen vor gelassen – hinter den Erwartungen, die man in ihn gesteckt hat, zurück geblieben. Seine Anfänge in Köln waren natürlich für ihn sehr erfolgreich. Doch muss man immer im Hinterkopf behalten, dass es eben “nur” Köln war. Deswegen hat er sich damals sicherlich auch für den großen Schritt zu Deutschlands bester Mannschaft entschieden. Und bei Bayern hat sich Podolski nunmal nie durchsetzen können, hat sich des öfteren undiszipliniert verhalten und am Ende die Flucht zurück nach Köln ergriffen. Hier zeigt er nun auch wieder gute bis sehr gute Leistungen, doch ist es wieder “nur” Köln. Ich bin sehr gespannt, wie die Zukunft Podolskis aussieht: Gibt er sich mit seiner Prinzen-Rolle bei einem mittelmäßigen Verein zufrieden, oder wagt er noch einmal den Schritt zu einem guten Verein der in Europa mithalten kann?

4. Alexander Baumjohann (25 Jahre/ Schalke 04)
Von der Schalker Jugend zu den Profis, über Gladbach und Bayern zurück zu den Wurzeln – so kann man kurz und knapp den bisherigen Weg von Alexander Baumjohann beschreiben. Eigentlich keine schlechte Vita, doch der Durchbruch, welcher ihm häufig vorhergesagt hat, ist ihm nie gelungen. Seine beste Phase hatte er in der Saison 2008/2009 im Trikot von Gladbach, wo er zur Stammelf gehörte und nach einer guten Saison zum FC Bayern gelotst wurde. Wie so häufig reichte sein Talent aber nicht aus, um sich beim Rekordmeister durchzusetzen, weshalb er bereits in der Winterpause zu Schalke 04 wechselte. Dort ist er lediglich auch nur noch Ergänzungsspieler, kommt in dieser Saison bisher auf acht Pflichtspieleinsätze. Baumjohann hat sich möglicherweise selber überschätzt und der Wechsel zu den Bayern kam zu früh und er verlor zumindest ein halbes, wichtiges Jahr. Seitdem tritt er auf der Stelle und ich denke, dass er den nächsten Schritt nicht mehr schafft und nicht über die Rolle eines durchschnittlichen Ergänzungsspieler hinaus kommt.

3. Markus Feulner (29 Jahre/ 1.FC Nürnberg)
Der älteste Profi in meiner Liste und ebenfalls ein gutes Beispiel für ein “Ewiges Talent”. Er startete vor über zehn Jahren seine Profikarriere beim FC Bayern, absolvierte dort aber mehr Spiele in der zweiten Mannschaft als bei den Profis. Von dort zug es ihn ins Rheinland zum 1.FC Köln, wo er teilweise auch nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Seine beste Zeit hatte Feulner bisher bei Mainz, wo er drei Saisons lang die Strippen im Mittelfeld zog. Nach dieser Zeit wagte Feulner den nächsten Schritt und versuchte sich in Dortmund beim BVB, kam dort in zwei Spielzeiten aber lediglich nur zu 15 Einsätzen. Zur aktuellen Saison wechselte Feulner zum Club nach Nürnberg, wo er bisher 15 Spiele absolviert hat. Bei Feulner hatte man immer das Gefühl, dass er das Zeug zu einer großen Karriere hat, doch es fehlte immer ein wenig Können oder aber auch Glück. Stattdessen hatt er eher Pech mit Verletzungen, die ihm immer wieder in die Quere kamen.

2. Jan Schlaudraff (28 Jahre/Hannover 96)
Schlaudraff konnte sein Talent zuerst bei Gladbach aufblitzen lassen, dort wollte man allerdings kein Risiko eingehen und gab ihm nur wenige Einsatzzeiten. Sein Talent blieb in Deutschland aber nicht verborgen und Schlaudraff wechselte im Winter der Saison 2004/2005 in die zweite Liga nach Aachen. Sicherlich ein Schritt zurück, aber ein sinnvoller, denn war er direkt Stammspieler und das über zwei Jahre sehr erfolgreich – inklusive Aufstieg in die erste Liga. Wie Baumjohann auf Platz 4 in meiner Liste, versuchte auch Schlaudraff sein Glück beim FC Bayern – doch auch er, so muss man es sagen, versagte dort. 13 Einsätze, davon fünf für die zweite Mannschaft, schaffte Schlaudraff und wechselte daher nach nur einer Saison zu Hannover 96. Nach drei maximal durchschnittlichen Spielzeiten, auch hervorgerufen durch Verletzungen, scheint er in der aktuellen Saison seit langer Zeit wieder auf seinem früheren Niveau angekommen zu sein und ist mit für die zuletzt erfolgreiche Zeit bei den Niedersachsen verantwortlich. Wenn er jetzt nicht den Fehler macht und sein Glück bei einem anderen Verein versucht, so könnte aus dem noch ewigen Talent eventuell doch noch ein sehr guter Bundesligaspieler werden.

1. Sebastian Boenisch (25 Jahre/ Werder Bremen)
Es war schwer, in der 2×6 eine gerechte Reihenfolge zu finden, aber für den ersten Platz habe ich mir Sebastian Boenisch ausgesucht. Am Anfang sieht es nach dem Beginn einer Bilderbuchkarriere aus: Zunächst startete Boenisch in der Jugend von Schalke 04, machte dort auf sich aufmerksam und schaffte es zuerst in die zweite Mannschaft und 2006/2007 zu mehreren Einsätzen bei den Profis. Dann wechselte er nach Bremen und konnte dort in seiner zweiten Saison immerhin 24 Spiele absolvieren. Nebenher konnte er sich in der Deutschen U20- und U21-Nationalmannschaft beweisen und absolvierte für Polens A-Nationalmannschaft bereits zwei Freundschaftsspiele. Leider hat auch Boenisch das Pech, von vielen Verletzungen geplagt gewesen zu sein. Dies verhinderte bisher eine größere Karriere, die Boenisch sicherlich hätte durchlaufen können. Doch befürchte ich, dass durch seine Verletzungshistorie dies nicht mehr eintreffen wird und er nicht mehr auf das frühere Niveau zurückkehren wird.

 

Bereits Gestern gab es die Liste von Felix:

6. Rene Adler
5. Sandro Wagner
4. Breno
3. Patrick Ebert
2. Paulo Guerrero
1. Alexander Baumjohann

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