Zwei mal Sechs: Die Favoriten der Euro 2012

5. Juni 2012Felix> Bundesliga, | Zwei mal Sechs

In unserer Kolumne “Zwei mal Sechs” stellen unsere Autoren ihre persönliche Top 6 zum aktuellen Thema der Woche auf. Die Europameisterschaft ist das größte Fußballereignis dieses Jahres – 16 Teams reisen nach Polen und in die Ukraine, um herauszufinden, welches das beste unter ihnen ist. Felix und Dominik erklären uns, wen wir ihrer Meinung nach ganz vorne erwarten dürfen.

 

 

6. Italien
Vom erneuten Wettskandal erschüttert geht Italien in die Europameisterschaft. Eine neue Generation von Spielern versucht ihr Glück, nachdem das schlechte Abschneiden bei der EM 2008 (Viertelfinale) und WM 2010 (Vorrundenaus) viele Weltmeister von 2006 aus der Mannschaft gespült hat. Allerdings ist die neue Spielergeneration nicht nur recht unerfahren, sondern auch größtenteils durchschnittlich. Zwar können die Italienische Mannschaften fast immer auf eine sichere Abwehr setzen, aber weiter vorne im Feld ist Spielern wie de Rossi, Montolivo und di Natale, seit Jahren Stammspieler in der Serie A, der Durchbruch noch nicht gelungen. Dazu kommen mit Cassano und Balotelli zwei technisch starke Stürmer, die beide aber eher für ihre erheblichen Disziplinprobleme bekannt sind als für ihre großartigen Leistungen. Vielleicht gibt es dennoch eine Trotzreaktion des Teams, wie schon bei der WM 2006, als der erste große Wettskandal in Italien bekannt und Juventus Turin in die 2.Liga verbannt wurde.

5. Niederlande
Vor zwei Jahren standen die Niederländer im Finale der Weltmeisterschaft und mussten sich dort erst in der Verlängerung den überragenden Spaniern geschlagen geben. Zwei Jahre später tritt das Team von Trainer Bert van Marwijk mit einem fast unveränderten Kader an. Trotzdem haben sich die Vorzeichen verändert. Zum einen hat mit Giovanni van Bronckhorst ein erfahrener Abwehrspieler seine Karriere inzwischen beendet. Zum anderen befinden sich viele Spieler nicht mehr in der guten Form, mit der sie von zwei Jahren nach Südafrika reisten. Für Sneijder, Robben und van Bommel lief es 2010 noch deutlich besser.  Dauerläufer Dirk Kuyt hat seinen Stammplatz  komplett verloren. Die Boni von Form und Losglück, der das Team in Oranje von zwei Jahren ins Finale brachte, ist aufgebraucht.

4. Polen
Gastgeber sind grundsätzlich der Geheimtipp einer Europameisterschaft. In Deutschland werden die Polen hoch gehandelt. Dies liegt in erster Linie an dem polnischen Trio des deutschen Meisters und Pokalsiegers Borussia Dortmund. Lukas Piszczek hat sich in der Rückrunde zu einem der besten Außenverteidiger der Liga entwickelt, Robert Lewandowski war bester Torschütze des Doublesiegers und Jakub „Kuba“ Blaszczykowski war kein schlechter Ersatz für Mario Götze. Hinzu kommen Torwart Szczesny, Stammspieler bei Arsenal London, und Damien Perquis, einer der besten Verteidiger in Frankreichs Ligue 1. Zwar tauchen auch eher durchschnittliche Bundesligaspieler wie Eugen Polanski im Kader auf, dennoch kann der Heimvorteil und der gefährliche Sturm mit Lewandowski, Obraniak und Brozek die Polen bis ins Halbfinale bringen.

3. Frankreich
Die letzten beiden Turniere endeten für die stolze Fußballnation Frankreich bereits in der Vorrunde. Doch nun soll alles anders werden: Der ungeliebte Trainer Raymond Domenech wurde durch Laurent Blanc ersetzt, die Mannschaft hat ein neues Gesicht dank vieler Spieler aus der heimischen Liga und der englischen Premierleague erhalten. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich Spieler wie M‘Vila, Cabaye, Nasri und Benzema schlagen werden, wenn sie das erste Mal bei einem großen Turnier im Fokus stehen. Franck Ribery kann hier als bester Fußballer und erfahrenster Spieler des Teams seinen Mitspielern helfen, auch wenn Ribery weit von der Ausstrahlung eines Zinedine Zidane, der die Mannschaft zehn Jahre prägte, entfernt ist. Die Franzosen verfügen über eine technisch starke Mannschaft, die viel zu beweisen hat.

2. Deutschland
Lieber mal tief stapeln: Deutschland ist nicht unbedingt der größte Favorit auf den Gewinn des EM-Titels, auch wenn die Nation nach 16 Jahren Erfolglosigkeit nach einem Triumph auf großer Bühne lechzt. Die Voraussetzungen sind gegeben: Seit der EM 2008 hat sich das Team in jedem Bereich weiterentwickelt. Es ist taktisch besser aufgestellt, verfügt über technisch bessere Spieler und es wird ihm wieder viel Respekt entgegengebracht. Noch dazu ist die Mannschaft auf vielen Positionen ausgeglichen besetzt und hat mit Manuel Neuer den weltbesten Torwart als Rückhalt. Nach 10 Siegen in 10 Qualifikationsspielen ist nur noch eine Sache, die den Gesamteindruck stört…

1. Spanien
Der Welt- und Europameister tritt an, um seinen ersten Titel zu verteidigen. Zwar muss dies ohne Carles Puyol und David Villa vom FC Barcelona gelingen, doch die wahren Hauptdarsteller sind mit dabei und erfreuen sich bester Gesundheit: Xavi, Iniesta, Busquets, Silva und Fabregas (die Liste ist beliebig erweiterbar) bilden gemeinsam ein Mittelfeld, dass es keinem Gegner der Welt erlaubt, an den Ball zu kommen, sobald einer dieser Spieler ihn einmal hat. Mit Fernando Torres haben die Spanier zudem einen Stürmer, dessen aktuelle Formkrise stark an die von Miro Klose vor der WM 2010 erinnert. Und in der Abwehr ist Pique sowohl im Verein, als auch im Nationalteam ein würdiger Vertreter von Puyol. Und trotz der guten Ausangsposition der deutschen Elf muss die Mannschaft, die derzeit die wichtigsten Titel im internationalen Fußball hält und dem deutschen Team in den letzten Aufeinandertreffen nicht den Hauch einer Chance gelassen hat, als Favorit gelten.

 

6. Portugal
Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich an dieser Stelle Portugal oder doch Italien wählen soll. Die aktuellen Ereignisse rund um den italienischen Fußball und – so wie es scheint – die Involvierung von mindestens zwei Nationalspielern, haben dazu geführt, dass ich mich gegen Italien und für Portugal entschieden habe. Auch wenn mich die Portugiesen bei den vergangenen Turnieren immer enttäuscht haben und oftmals mein Geheimtipp auf den Titel waren, rechne ich ihnen bei der diesjährigen EM nur noch eine kleine Favoritenrolle zu. Erstklassige Einzelspieler, aber keine mannschaftliche Geschlossenheit – so kann man den Kader der Portugiesen wohl am Treffendsten beschreiben. Sollte man diesmal als ein Team auftreten, so rechne ich der Mannschaft um Cristiano Ronaldo gute Chancen aus, uns alles zu überraschen.

5. Frankreich
Die Franzosen sind für mich ein kleiner Geheimtipp, ich sehe durchaus Potential für eine größere Überraschung. Den Glanzjahren 1998 (Weltmeister) und 2000 (Europameister) folgten bis auf eine Ausnahme (Zweiter bei der WM 2006) nur Enttäuschungen, den Höhepunkt gab es bei der vergangenen WM, als man nicht nur in der Vorrunde ausschied, sondern die Mannschaft mit zahlreichen Undiszipliniertheiten und Eklats auffiel. Seitdem wurde aber kontinuierlich am Umbruch gearbeitet und mit Laurent Blanc ein neuer Trainer installiert. Seitdem läuft es für Frankreich sehr gut, es hat sich eine homogene Mannschaft gebildet, die in allen Mannschaftsteilen Weltklassespieler besitzt. Wenn sich die Spieler beim Turnier auf das Wesentliche konzentrieren und es nicht wieder Skandale abseits das Platzes gibt, so sind die Franzosen für mich für eine Überraschung gut.

4. England
Als großer Fan der Premier League habe ich die Three Lions bei den letzten Turnieren immer zu den Favoriten gezählt – und wurde immer bitter enttäuscht. Auch bei der EM 2012 habe ich viele Erwartungen in das Team, das einen kleinen, wirklich sehr kleinen Neuanfang hinter sich hat. Durch die Rassismus-Affäre von John Terry gegen Antoine Ferdinand ist Rio Ferdinand nicht nominiert worden, Roy Hodgson ist neuer Trainer und Steven Gerrard neuer Kapitän. Die Einzelspieler sind wie immer von hoher Qualität, man muss abwarten, wie sich die Quälereien in der Vergangenheit und die Zwei-Spiele-Sperre von Wayne Rooney auswirken. Sollte man den Ausfall in den ersten beiden Spielen kompensieren können und sich eine Mannschaft mit Spielern, die für die anderen kämpfen, formen, so muss ein Auge auf England geworfen werden.

3. Spanien
Der amtierende Welt- und Europameister nur auf Platz drei in dieser Liste? Wie kann das sein? Das ist ganz einfach erklärt: Zum Einen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass Spanien zum dritten Mal in Folge ein Turnier gewinnt. Da dies aber kein stichfestes Argument ist, hier die weiteren Fakten. Mit Carles Puyol fällt der Abwehrchef, mit David Villa die Tormaschine aus. Torres läuft seit zwei Jahren seiner Form hinterher, Pedro und Llorente müssen ihre Leistungen in der Nationalelf erst noch abrufen. Aber natürlich sind die Spanier zum engen Favoritenkreis zu zählen. 20 von 24 Spieler spielen in Spanien, die vier übrigen alle in England – das ist als klarer Vorteil zu werten. Durch die gewonnenen Titel hat das Team großen Rückenwind, allerdings auch viel Druck. Mit den Spaniern ist natürlich immer zu rechnen, dennoch halte ich noch zwei Mannschaften für die größeren Favoriten.

2. Niederlande
Bis zum Finale der Weltmeisterschaft 2010 war man 25 mal in Folge ungeschlagen – doch dann setzte es gegen Spanien die Finalniederlage. Dennoch ist diese Bilanz phänomenal, auch bei der Qualifikation zur EM 2012 hat man neun von zehn Spielen gewonnen, lediglich das letzte Spiel gegen Schweden wurde verloren – da war man aber bereits für die Endrunde qualifiziert. In vielen Mannschaftsteilen hat man ein Luxusproblem, da der Kader so viele gute Spieler besitzt. Allein im Sturm kann Trainer Bert van Marwijk zwischen Klaas Jan Huntelaar, Robin van Persie, Dirk Kuyt, Luuk de Jong und Arjen Robben wählen. Im Mittelfeld stehen den Abräumern Mark van Bommel und Nigel de Jong die Spielmacher Wesley Snijder und Rafael van der Vaart zur Seite. Darüber hinaus zeigt sich die Mannschaft nach außen als eine geschlossene Einheit mit einem hohen Maß an Mannschaftsgeist. Von meinem ersten Platz ist die Niederlande nur hauchdünn entfernt.

1. Deutschland
Ich bin einfach mal ganz patriotisch und setze Deutschland an die Spitze der Favoriten auf den EM-Titel. Bei der Top3 war ich bei der Reihenfolge sehr unentschlossen, habe mich dann aber doch für das deutsche Team entschieden. Dafür sprachen die guten Auftritte bei den letzten Turnieren, bei denen man jedes Mal knapp scheiterte (WM 2006: 3., EM 2008: 2., WM 2010: 3.), lassen hoffen, dass dieses Jahr der Titel herausspringen kann. Die damals noch “jungen, wilden” Spieler sind nun gestandene Profis und konnten in den letzten zwei Jahren allesamt wichtige Erfahrungen sammeln. Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unerreicht, da kann sich jede andere Mannschaft ein Beispiel dran nehmen. Ich blicke sehr optimistisch, trotz der überaus schweren Gruppe, auf die EM und sehe die deutsche Mannschaft als größten Favoriten auf den Titel.

 

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  • Spanien (55%)
  • Italien (45%)

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